DOI

  • Irene Neumann
  • Colin Jeschke
  • Aiso Heinze
Hohe Abbruchquoten in Mathematikstudiengängen, insbesondere im ersten Studienjahr, sind ein bekanntes Problem. Dabei scheinen die hohen Anforderungen, die den Studierenden begegnen, einen wichtigen Abbruchgrund darzustellen. Diverse Studien zielten daher auf die Identifikation von individuellen Eigenschaften zur Bewältigung dieser Anforderungen, wie z. B. kognitive Fähigkeiten, motivationale Konstrukte oder Selbstüberzeugungen. Mit dem vorliegenden Artikel schlagen wir vor, ein Konstrukt in der Erforschung von Studienerfolg einzubeziehen, das bislang nicht berücksichtigt wurde: mathematikspezifische Resilienz. Im schulischen Kontext beschreibt mathematikspezifische Resilienz die Fähigkeit, mit alltäglichen, mathematikbezogenen Anforderungen beim Mathematiklernen wie etwa Rückschlägen und Frustration umgehen können. Dieses Konstrukt soll hier in den Kontext universitären Lernens übertragen werden. Im Studium können vor allem die wöchentlichen, verpflichtenden Übungsaufgaben im Mathematikstudium zu derartigen negativen Emotionen führen, da sie vor allem anspruchsvolle mathematische Fähigkeiten wie z. B. Beweisfähigkeiten erfordern, die üblicherweise nur eingeschränkt in der Schule erlernt werden. Mathematikspezifische Resilienz könnte daher ein Konstrukt sein, das auch in der Erforschung von Dropout relevant ist. Im Artikel stellen wir ein neues Instrument vor, das darauf zielt, mathematikspezifische Resilienz gegenüber herausfordernden mathematischen Übungsaufgaben zu erfassen. Eine empirische Studie mit 424 Erstsemesterstudierenden bestätigt, dass die Studierenden die Übungsaufgaben tatsächlich als zentrale Belastung wahrnehmen. Aus den Daten lassen sich zudem empirische Erkenntnisse zur Qualität des vorgestellten Instruments, insbesondere zu Aspekten der Validität und Reliabilität, ableiten. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass mathematikspezifische Resilienz und das vorgestellte Instrument einen Beitrag zur Forschung über akademischen Erfolg und Misserfolg von Erstsemesterstudierenden der Mathematik leisten, indem insbesondere die spezifischen Rahmenbedingungen des Mathematikstudiums einbezogen werden.
Titel in ÜbersetzungMathematikspezifische Resilienz von Studierenden gegenüber Übungsaufgaben im ersten Jahr des Mathematikstudiums
OriginalspracheEnglisch
ZeitschriftJournal für Mathematik-Didaktik
Jahrgang42
Ausgabenummer2
Seiten (von - bis)307-333
Seitenumfang27
ISSN0173-5322
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - 10.2021

    Fachgebiete

  • Mathematikspezifische Resilienz, Studienerfolg, Studienabbruch, Mathematikstudienanfängerinnen und -anfänger

ID: 894975